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Poesie

 

   

Weihnachtsgedicht:

Legende vom unbotmässigen Esel

   
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von Albert Ehrismann

Wir über uns

Man nennt ihn auch Langohr, und viel ist zu lesen
in kritischen Schriften, wie er gewesen -
auflüpfisch und störrisch, dem Herrn wie dem Knechte
trotze er fälschlich mit höherem Rechte,
weil er in bethlehemitischer Nacht
einst mit Ochse und Kuh im Stall gewacht.
Seitdem, also lautet die Klage im Text,
sei er von eitelstem Wahne behext
und vergesse, dass er nicht, nur das himmlische Kind
- und vielleicht die drei Könige - buchenswert sind.

Die alte Geschichte:
den Stummen, die dulden,
gibt man zum Kummer eigenes Verschulden.
Die Esel müssen unschuldig leiden,
weil sie in Demut und Stummheit sich kleiden.
Als damals Marie gefährlich weit ritt -
wer trug sie so sanft und in schmiegsamen Schritt?
Und später, als viele „Hosianna!“ schrien -
wen sah man als zärtlichsten Diener einziehn?
Der Esel sei störrisch? Wie sehr man irrt!
Wie tief sind wir selber vernarrt und verwirrt .....

Ich muss, um vom Esel zu schreiben,
zunächst eine Weile in Bethlehem bleiben.
Maria und Josef. Man weiss, wie das war.
Und die Hirten, die Lämmer. Die Nacht sternklar.
Im Stall war es kalt. Nur der Tierleib gab warm.
Nahm jetzt Josef das Kind von Marias Arm
und legte es scheu in die Krippe aus Holz.
Da waren die Tiere vielleicht wohl stolz.
Sie vergassen die Geschichte vom Jesuskind nie
und von Geschlecht zu Geschlechtern vererbten sie sie.

Denn die Esel, gepeinigt, mit schwärenden Fellen,
können nicht mächtig brüllen noch bellen.
Ihr Laut ist ein Schrei aus der Einsamkeit.
Vielleicht wie ein Mensch, der verzweifelt ist, schreit .....
Ich sah sie, die Esel, in Griechenland,
wo nicht Haus oder Kirche und kein Dorf mehr stand .....
Vom Kriege zerschossen. Ich rief: „Esel, komm!“
Und sah seine Augen. Sie waren fromm.

Die Esel horchen, wo immer sie gehen.
Sperren und zerren. Bocken und stehen.
Spitzen die Ohren. Blähen die Nüstern.
Stallstreue raschelt? Könige flüstern?
Auf allen Wegen, wo sie just sind,
suchen die Esel das Heilige Kind.
Wo wärmt sein Lächeln? Wann wieder glänzt Licht?
Jahrhunderte kamen - der Knabe kommt nicht.
In gross-samtnen Augen, zweitausendjahrher,
gehütet die Krippe. Die Krippe ist leer.

Von Geschlecht zu Geschlechtern wandert der Traum.
Hartnäckig die Esel. Unbotmässig kaum.
Ob Schneeheere Wälder, Dorf, Städte zuschnein -
die Esel harren geduldig im zerschossenem Gestein.
Die Trümmer gefrieren. Der Krieg ist nicht tot.
Schon unter dem Schnee wächst das duftende Brot.
Und schön durch den Schnee aus dem winzigen Korn
blüht bald wohl die Rose ohne Stachel und Dorn.
Vielleicht jauchzt ein Esel von weit, weit, weit her -
die Krippe, die Krippe sei jetzt nicht mehr leer .....

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Zeichnung: Maria und Josef mit einem Esel